Wellness
Wellness – ein Begriff macht Karriere
Nach manchen Quellen bereits 1654 zum ersten Mal im „Oxford English Dictionary“ erwähnt und mit „guter Gesundheit“ übersetzt, hat der Begriff „Wellness“ in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg eine beispiellose Karriere gemacht, welche sich auf derartig viele Bereiche und Produktentwicklungen bezieht, dass manche Kritiker nicht ganz zu Unrecht auf eine weitestgehende Beliebigkeit und Austauschbarkeit der entsprechenden Wortschöpfungen verweisen. Die neben manchen eher obskur anmutenden, und teils schon als Scharlatanerie einzustufenden Wellnessprodukte und –dienstleistungen wichtigsten Bereiche für Wellness-affine Waren sind grob gesagt sämtliche Branchen, die sich mit der menschlichen Gesundheit, deren Förderung bzw. Erhaltung beschäftigen und hierbei vor allem der Bereich der Ernährung, in dem sich zahllose mehr oder minder vertrauenswürdige Produkte, Artikel und Waren mit dem Zusatz „Wellness“ tummeln. Ein weiterer großer Markt, in dem sich der Begriff „Wellness“ häufig finden lässt, ist der Breitensport bzw. individuelle Bewegungsprogramme, die auch dem beruflich stark geforderten Individuum trotz wenig Zeitressourcen einen möglichst gesunden Lebenswandel ermöglichen sollen. Der bewusste Umgang mit seinem eigenen Körper, mit Nahrungs- und Genussmitteln soll einem jedoch oft nur nebulös definierten „Wohlbefinden“ dienen, ein deutsches Wort, mit dem das englische „Wellness“ auch gelegentlich übersetzt wird.
„Wellness“ ist unabhängig vom jeweiligen Produkt zuallererst Kopfsache
Interessanterweise sehen viele Beobachter des Wellnessmarktes gerade die vermeintliche Entscheidungsautonomie des einzelnen Konsumenten als einen der Hauptgründe für den anhaltenden Erfolg vieler Wellnessprodukte und –anwendungen: Wenn nicht mehr eine göttliche Instanz und/oder das Schicksal verantwortlich für individuelles Wohlbefinden und die persönliche Gesundheit ist, sondern eben alleinig der Besitzer des eigenen Körpers, dann ist es naheliegend, dass sich viele Konsumenten gut dabei fühlen, sich ganzheitlich, gesundheitserhaltend und bewusst zu verhalten, unabhängig davon, ob die erwünschten Wirkungen einer solchen Lebensführung tatsächlich wissenschaftlich nachweisbar sind. Unabhängig also von tatsächlichen oder nur angenommenen positiven Effekten einer je nach Sichtweise auch durch derartige Produkte geprägten Lebensweise lässt sich festhalten, dass Wellness als feststehender Begriff, als „claim“ und als zwar weit gefasster, aber sehr bekannter Begriff zumindest den Unternehmen, die sich darauf verstehen, ihren Produkten z.B. dem Kuschelwochenende oder Romantik zu zweit, einen entsprechenden Anstrich zu verleihen, einigen Erfolg beschert hat und wohl auch weiterhin bescheren wird.