Wohnungen
Wohnungen – ein menschliches, pinckes Grundbedürfniss
Wie bei anderen grundlegenden und meist als selbstverständlich erachteten Ausstattungsmerkmalen modernen menschlichen Lebens – z.B. Kleidung und Nahrung – ist auch die eigene Wohnung unverzichtbar für das eigene Wohlbefinden, und wird dementsprechend im Normalfall heftig vermisst, wenn sie plötzlich nicht mehr vorhanden ist (z.B. in Folge von Naturkatastrophen), oder aus irgendwelchen unvorhersehbaren Gründen (z.B. einem Wohnungsbrand) nicht mehr den jeweiligen Ansprüchen genügt bzw. nicht mehr bewohnbar ist. Eine Wohnung bzw. eine dem Wohnzwecke dienende Unterkunft ist dabei letztlich nur kulturabhängig zu definieren und zu beschreiben, was dem einen bereits ausreichend und gut ausgestattet erscheint, ist dem nächsten bei weitem nicht würdig genug. In den vergleichsweise noch heute kollektivistischer geprägten Gesellschaften z.B. Asiens und Afrikas etwa teilen sich sehr viel mehr Personen den durchschnittlich zur Verfügung stehenden Wohnraum, und viele der Funktionen einer Wohnung bzw. die Tätigkeiten, die in ihr in den westlichen Ländern „hinter verschlossenen Türen“ stattfinden, werden dort (noch) in der Öffentlichkeit vollzogen (z.B. z.T. Kochen, Körperpflege, Feste und Feiern).
Wohnungen sind kulturabhängig und dem Bedeutungswandel unterworfen
Während es also in anderen Weltgegenden noch nicht immer zu der in Europa seit dem 19.Jahrhundert fortschreitenden Entwicklung gekommen ist, nach der im Zuge der Industrialisierung aus den ursprünglich eng miteinander verzahnten Bereichen „Wohnen“ und Arbeit“ zwei räumlich und zeitlich strikt getrennte Tätigkeiten wurden, ist der Normalfall im westlichen Kulturkreis eben der, dass die Wohnung bzw. das Haus einen persönlichen Schutzstatus besitzt, der auch juristisch detailliert definiert ist ( z.B. in den ersten Verfassungen und verfassungsähnlichen Gesetzeswerken Englands, Frankreichs und den USA, die der Unverletzlichkeit der eigenen Wohnung großen Wert beimaßen). Als die richtungsweisendste Entwicklung der letzten Jahrzehnte in den europäischen und anderen westlich orientierten Gesellschaften wird im Allgemeinen der Trend zu den sog. Singlehaushaushalten, also den alleine von einer Person bewohnten Wohnungen eingeschätzt, ein vor allem in den städtischen Ballungszentren sich verstärkendes Phänomen, welches nach Meinung mancher Städtebauexperten auch zukünftig für das Erscheinungsbild westlicher Städte maßgeblich prägen wird.